Blutungsnotfall
(Erwachsene)
Blutverlust hat relevante Auswirkungen auf die Hämodynamik, die Sauerstoffversorgung des Organismus (DO2) und die Blutgerinnung. Seite 12
1. Therapie Blutdruck :
Bei einer akuten und bedrohlichen Blutung gilt es zunächst, den systolischen Blutdruck in einen Bereich von 80-90 mmHg zu bringen. Bei Hypotonie kann der Einsatz von Vasopressoren indiziert sein (Akrinor, Noradrenalin oder Adrenalin). Hierdurch wird über eine passagere Zentralisation des Kreislaufs die Perfusion von Herz und Gehirn aufrecht erhalten. Seite 12
2. Therapie Hämodynamik :
Hämodynamisch steht dann die Wiederherstellung einer Normovolämie im Vordergrund. Verwendet werden Kristalloide und Kolloide sowie EK und FFP je nach Hb-Verlust und Gerinnungspotenzial.
Nota bene: Eine übermässige Gabe von Kristalloiden und Kolloiden hat negative Auswirkungen, bishin zur Erhöhung der Mortalität bei Trauma-Patienten.
3. Therapie Hb-Verlust :
Zur Aufrechterhaltung der Sauerstoffversorgung des Organismus muss eine ausreichende Menge Hämoglobin (Hb) zirkulieren.
Nach BÄK-Leitlinie (BÄK-LL) 2020 besteht die Indikation zur Transfusion von Erythrozytenkonzentraten (EK) bei einem Hb-Wert von 7-8 g/dl. S.21
Nota bene:Bei der Bewertung des Hb-Wertes ist von großer Bedeutung, dass dieser Wert nicht durch den Blutverlust abfällt, sondern durch die Infusionstherapie und den Einstrom körpereigener Flüssigkeit aus dem Extrazellulärraum in den Intravasalraum. Somit unterschätzt der Hb-Wert zu Beginn einer Blutung den tatsächlichen Blutverlust.
4. Therapie Hämostase :
Gerinnungspotenzial:
Der Grund für eine anhaltende Blutung kann eine Verdünnungskoagulopathie sein. Zur Wiederherstellung eines ausreichenden prokoagulatorischen Potenzials können Faktoren-Konzentrate und/oder Plasma verabreicht werden. Eine Auswahl von Produkten ist auf der Abbildung "Rescue House" (mit kontext-sensitiven Links) aufgeführt.
Thromboyzten:
Im Rahmen der primären Hämostase aggregieren Thrombozyten und bilden einen Thrombus. Auf dessen Oberfläche läuft die Endstrecke der sekundären Hämostase (früher plasmatische Gerinnung genannt) ab. Bei einer Thrombozytopenie mit einer Thrombozytenzahl unter 50. - 100.00/µl besteht die Indikation zur Transfusion.
Schutz vor Fibrino(geno)lyse: Die Gabe eines Antifibrinolytikums (z.B. Tranexamsäure) kann indiziert sein, um Fibrinogen und den entstandenen Thrombus vor Lyse zu schützen.
Homöostase:
Für die korrekte Funktion der Gerinnungsfaktoren ist eine physiologische Homöostase bedeutend: So sollte die Konzentration von ionisiertem Calcium über 1 mmol/l, der pH-Wert über 7,2 und die Körperkern-Temperatur über 34 Grad gehalten werden.
5. Labor:
ROTEM gibt u.a. Auskunft über die Gerinnselfestigkeit, Fibrinogen-Mangel und Hyperfibrinolyse. Standard-Gerinnungstests (aPTT, Quick-Wert) prüfen die Initialisierung und Amplifikation der sekundären Hämostase, erfassen jedoch Störungen durch Hypocalcämie nicht, da vor den Messungen im Labor Calcium hinzugegeben wird. Dies ist notwendig, um den Effekt des Citrats im Blutabnahmesystem wieder aufzuheben.
Außerdem werden die Tests bei einer Temperatur von 37 Grad Celcius durchgeführt, so dass eine Hypothermie-bedingte Störung durch die Tests nicht aufgedeckt wird.
Anmerkung:
2 EK plus 2 FFP entsprechen etwa 1 Liter Blut mit einem Hb-Wert von 10 g/dl und einem annähernd normalen Gerinnungspotenzial (OHNE Thrombozyten).
* Weitere Infos s. Literatur
Blutungsnotfall (Erwachsene)
Blutverlust hat Auswirkungen auf die Hämodynamik, die Sauerstoffversorgung des Organismus (DO2) und die Blutgerinnung.
1. Therapie Blutdruck :
Bei einer akuten und bedrohlichen Blutung gilt es zunächst, den systolischen Blutdruck in einen Bereich von 80-90 mmHg zu bringen. Bei Hypotonie kann der Einsatz von Vasopressoren indiziert sein (Akrinor, Noradrenalin oder Adrenalin). Hierdurch wird über eine passagere Zentralisation des Kreislaufs die Perfusion von Herz und Gehirn aufrecht erhalten. Eur. LL Recommendation 13
2. Therapie Hämodynamik :
Hämodynamisch steht dann die Wiederherstellung einer Normovolämie im Vordergrund. Verwendet werden Kristalloide und Kolloide sowie EK und FFP je nach Hb-Verlust und Gerinnungspotenzial.
Nota bene: Eine übermässige Gabe von Kristalloiden und Kolloiden hat negative Auswirkungen, bishin zur Erhöhung der Mortalität bei Trauma-Patienten. Eur. LL Recommendation 13
3. Therapie Hb-Verlust :
Zur Aufrechterhaltung der Sauerstoffversorgung des Organismus muss eine ausreichende Menge Hämoglobin (Hb) zirkulieren.
Nach BÄK-Leitlinie (BÄK-LL) 2020 besteht die Indikation zur Transfusion von Erythrozytenkonzentraten (EK) bei einem Hb-Wert von 7-8 g/dl. BÄK-LL 2020 S.21
Nota bene:Bei der Bewertung des Hb-Wertes ist von großer Bedeutung, dass dieser Wert nicht durch den Blutverlust abfällt, sondern durch die Infusionstherapie und den Einstrom körpereigener Flüssigkeit aus dem Extrazellulärraum in den Intravasalraum. Somit unterschätzt der Hb-Wert zu Beginn einer Blutung den tatsächlichen Blutverlust.
4. Therapie Hämostase :
Gerinnungspotenzial:
Der Grund für eine anhaltende Blutung kann eine Verdünnungskoagulopathie sein. Zur Wiederherstellung eines ausreichenden prokoagulatorischen Potenzials können Faktoren-Konzentrate und/oder Plasma verabreicht werden. Eine Auswahl von Produkten ist auf der Abbildung "Rescue House" (mit kontext-sensitiven Links) aufgeführt.
Thromboyzten:
Im Rahmen der primären Hämostase aggregieren Thrombozyten und bilden einen Thrombus. Auf dessen Oberfläche läuft die Endstrecke der sekundären Hämostase (früher plasmatische Gerinnung genannt) ab. Bei einer Thrombozytopenie mit einer Thrombozytenzahl unter 50. - 100.00/µl besteht die Indikation zur Transfusion.
Schutz vor Fibrino(geno)lyse: Die Gabe eines Antifibrinolytikums (z.B. Tranexamsäure) kann indiziert sein, um Fibrinogen und den entstandenen Thrombus vor Lyse zu schützen.
Homöostase:
Für die korrekte Funktion der Gerinnungsfaktoren ist eine physiologische Homöostase bedeutend: So sollte die Konzentration von ionisiertem Calcium über 1 mmol/l, der pH-Wert über 7,2 und die Körperkern-Temperatur über 34 Grad gehalten werden.
 5. Labor:
ROTEM gibt u.a. Auskunft über die Gerinnselfestigkeit, Fibrinogen-Mangel und Hyperfibrinolyse. Standard-Gerinnungstests (aPTT, Quick-Wert) prüfen die Initialisierung und Amplifikation der sekundären Hämostase, erfassen jedoch Störungen durch Hypocalcämie nicht, da vor den Messungen im Labor Calcium hinzugegeben wird. Dies ist notwendig, um den Effekt des Citrats im Blutabnahmesystem wieder aufzuheben.
Außerdem werden die Tests bei einer Temperatur von 37 Grad Celcius durchgeführt, so dass eine Hypothermie-bedingte Störung durch die Tests nicht aufgedeckt wird.
Anmerkung:
2 EK plus 2 FFP entsprechen etwa 1 Liter Blut mit einem Hb-Wert von 10 g/dl und einem annähernd normalen Gerinnungspotenzial (OHNE Thrombozyten).
= Info aus Leitlinie
* Weitere Infos in der Literatur
Blutung
ll_baek_20
pubmed-box
counter
road-ll