Blutungsnotfall (Kind)
Blutverlust hat Auswirkungen auf die Hämodynamik, die Sauerstoffversorgung des Organismus (DO2) und die Blutgerinnung.
1. Therapie Blutdruck :
Bei einer akuten und bedrohlichen Blutung gilt es zunächst, den systolischen Blutdruck in einen Bereich von 80-90 mmHg zu bringen. Bei Hypotonie kann der Einsatz von Vasopressoren indiziert sein (Akrinor, Noradrenalin oder Adrenalin). Hierdurch wird über eine passagere Zentralisation des Kreislaufs die Perfusion von Herz und Gehirn aufrecht erhalten.
2. Therapie Hämodynamik :
Hämodynamisch steht dann die Wiederherstellung einer Normovolämie im Vordergrund. Verwendet werden hierzu Kristalloide und Kolloide.
Nota bene: Eine übermässige Gabe von Kristalloiden und Kolloiden hat negative Auswirkungen, bishin zur Erhöhung der Mortalität bei Trauma-Patienten.
3. Therapie Hb-Verlust :
Zur Aufrechterhaltung der Sauerstoffversorgung des Organismus muss eine ausreichende Menge Hämoglobin (Hb) zirkulieren.
Nach BÄK-Leitlinie (BÄK-LL) 2020 (Seite 26) gibt es vor allem für Frühgeborene und Neugeborene Empfehlungen für die Indikation zur Transfusion von Erythrozytenkonzentraten (EK) .
Jenseits der Neonatalperiode liegt die Indikation für die Gabe von EK bei einem Hb-Wert von ca. 6-7-8 g/dl (Seite 26) .
Nota bene:Bei der Bewertung des Hb-Wertes ist von großer Bedeutung, dass dieser Wert nicht durch den Blutverlust abfällt, sondern durch die Infusionstherapie und den Einstrom körpereigener Flüssigkeit aus dem Extrazellulärraum in den Intravasalraum. Somit unterschätzt der Hb-Wert zu Beginn einer Blutung den tatsächlichen Blutverlust.
4. Therapie Hämostase :
Gerinnungspotenzial:
Der Grund für eine anhaltende Blutung kann eine Verdünnungskoagulopathie sein. Zur Wiederherstellung eines ausreichenden prokoagulatorischen Potenzials können Faktoren-Konzentrate und/oder Plasma verabreicht werden. Eine Auswahl von Produkten ist auf der Abbildung "Rescue House" (mit kontext-sensitiven Links) aufgeführt.
Thromboyzten:
Im Rahmen der primären Hämostase aggregieren Thrombozyten und bilden einen Thrombus. Auf dessen Oberfläche läuft die Endstrecke der sekundären Hämostase (früher plasmatische Gerinnung genannt) ab. Bei einer Thrombozytopenie mit einer Thrombozytenzahl unter 80.000/µl besteht die Indikation zur Transfusion .
Schutz vor Fibrino(geno)lyse: Die Gabe eines Antifibrinolytikums (z.B. Tranexamsäure) kann indiziert sein, um Fibrinogen und den entstandenen Thrombus vor Lyse zu schützen. Startdosis: 10-20 mg/kg KG .
Homöostase:
Für die korrekte Funktion der Gerinnungsfaktoren ist eine physiologische Homöostase bedeutend: So sollte die Konzentration von ionisiertem Calcium über 1 mmol/l, der pH-Wert über 7,2 und die Körperkern-Temperatur über 34 Grad gehalten werden .
 5. Labor:
Standard-Gerinnungstests (aPTT, Quick-Wert) erfassen Störungen durch Hypocalcämie nicht, da vor den Messungen im Labor Calcium hinzugegeben wird. Dies ist notwendig, um den Effekt des Citrats im Blutabnahmesystem wieder aufzuheben.
Außerdem werden die Tests bei einer Temperatur von 37 Grad Celcius durchgeführt, so dass eine Hypothermie-bedingte Störung durch die Tests nicht aufgedeckt wird .
Anmerkung:
Für Neugeborene und Säuglinge stehen sog. Aliquots zur Verfügung. Diese werden hergestellt, indem 1 EK in 4 gleiche Teile aufgeteilt wird. Jedes Aliquot hat ein Volumen von ca. 70 ml.
Neben unfallbedingten Blutungen sind bei Kindern Blutungen durch angeborenen Störungen möglich: Hämophilie, Von-Willebrand-Syndrom.
Details zur Dosierung von Therapeutika für Kinder auf der Seite "Therapeutika Kinder".
* Weitere Infos s. Literatur
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Blutungsnotfall (Kind)
Blutverlust hat Auswirkungen auf die Hämodynamik, die Sauerstoffversorgung des Organismus (DO2) und die Blutgerinnung.
1. Therapie Blutdruck :
Bei einer akuten und bedrohlichen Blutung gilt es zunächst, den systolischen Blutdruck in einen Bereich von 80-90 mmHg zu bringen. Bei Hypotonie kann der Einsatz von Vasopressoren indiziert sein (Akrinor, Noradrenalin oder Adrenalin). Hierdurch wird über eine passagere Zentralisation des Kreislaufs die Perfusion von Herz und Gehirn aufrecht erhalten.
2. Therapie Hämodynamik :
Hämodynamisch steht dann die Wiederherstellung einer Normovolämie im Vordergrund. Verwendet werden hierzu Kristalloide und Kolloide.
Nota bene: Eine übermässige Gabe von Kristalloiden und Kolloiden hat negative Auswirkungen, bishin zur Erhöhung der Mortalität bei Trauma-Patienten.
3. Therapie Hb-Verlust :
Zur Aufrechterhaltung der Sauerstoffversorgung des Organismus muss eine ausreichende Menge Hämoglobin (Hb) zirkulieren.
Nach BÄK-Leitlinie (BÄK-LL) 2020 (Seite 26) gibt es vor allem für Frühgeborene und Neugeborene Empfehlungen für die Indikation zur Transfusion von Erythrozytenkonzentraten (EK) .
Jenseits der Neonatalperiode liegt die Indikation für die Gabe von EK bei einem Hb-Wert von ca. 6-7-8 g/dl (Seite 26) .
Nota bene:Bei der Bewertung des Hb-Wertes ist von großer Bedeutung, dass dieser Wert nicht durch den Blutverlust abfällt, sondern durch die Infusionstherapie und den Einstrom körpereigener Flüssigkeit aus dem Extrazellulärraum in den Intravasalraum. Somit unterschätzt der Hb-Wert zu Beginn einer Blutung den tatsächlichen Blutverlust.
4. Therapie Hämostase :
Gerinnungspotenzial:
Der Grund für eine anhaltende Blutung kann eine Verdünnungskoagulopathie sein. Zur Wiederherstellung eines ausreichenden prokoagulatorischen Potenzials können Faktoren-Konzentrate und/oder Plasma verabreicht werden. Eine Auswahl von Produkten ist auf der Abbildung "Rescue House" (mit kontext-sensitiven Links) aufgeführt.
Thromboyzten:
Im Rahmen der primären Hämostase aggregieren Thrombozyten und bilden einen Thrombus. Auf dessen Oberfläche läuft die Endstrecke der sekundären Hämostase (früher plasmatische Gerinnung genannt) ab. Bei einer Thrombozytopenie mit einer Thrombozytenzahl unter 80.000/µl besteht die Indikation zur Transfusion .
Schutz vor Fibrino(geno)lyse: Die Gabe eines Antifibrinolytikums (z.B. Tranexamsäure) kann indiziert sein, um Fibrinogen und den entstandenen Thrombus vor Lyse zu schützen. Startdosis: 10-20 mg/kg KG .
Homöostase:
Für die korrekte Funktion der Gerinnungsfaktoren ist eine physiologische Homöostase bedeutend: So sollte die Konzentration von ionisiertem Calcium über 1 mmol/l, der pH-Wert über 7,2 und die Körperkern-Temperatur über 34 Grad gehalten werden .
 5. Labor:
Standard-Gerinnungstests (aPTT, Quick-Wert) erfassen Störungen durch Hypocalcämie nicht, da vor den Messungen im Labor Calcium hinzugegeben wird. Dies ist notwendig, um den Effekt des Citrats im Blutabnahmesystem wieder aufzuheben.
Außerdem werden die Tests bei einer Temperatur von 37 Grad Celcius durchgeführt, so dass eine Hypothermie-bedingte Störung durch die Tests nicht aufgedeckt wird .
Anmerkung:
Für Neugeborene und Säuglinge stehen sog. Aliquots zur Verfügung. Diese werden hergestellt, indem 1 EK in 4 gleiche Teile aufgeteilt wird. Jedes Aliquot hat ein Volumen von ca. 70 ml.
Neben unfallbedingten Blutungen sind bei Kindern Blutungen durch angeborenen Störungen möglich: Hämophilie, Von-Willebrand-Syndrom.
Details zur Dosierung von Therapeutika für Kinder auf der Seite "Therapeutika Kinder".
= Info aus Leitlinie
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