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Jeder kann Gerinnung !
12 Arzneimittel
12 Pathologien
12 Minuten
Claus Steuernagel
2 Kapitel
12 Arzneimittel
12 Pathologien
Die Digitalbücher dienen dem Einstieg ins Thema Blutgerinnung. Jedes Buch behandelt einen bestimmten Aspekt. Relevante Informationen können kontextsensitiv durch das Einblenden von Leitlinien, Calculatoren und Scores sinnvoll ergänzt werden.
Jeder kann Gerinnung !
Jeder kann Gerinnung !
Ein Digitalbuch
von
Claus Steuernagel
© 2026 Dr. med. Claus Steuernagel
Ein kleines Buch
für Einsteiger
Kontextsensitive Infos
aPTT Quick T'zyten
EK-Äquivalent
Thrombo Man
Rescue House
Hyperlinks
einblenden …
DOAK-Dosis
PPSB
Desmopressin
Novoseven
Calculators
Zwei Modelle
Trickfilm läuft automatisch …
Vorwort
Das Thema Blutgerinnung gilt weithin als so undurchdringlich wie ein Urwald.
Einige Unklarheiten sind auch historisch begründet. So wurden früher Bücher zur Blutgerinnung vor allem von Laborärzten geschrieben. Dabei wurde das in-vitro-Modell mit den 2 Aktivierungswegen in den Mittelpunkt gestellt.
Dieses Modell konnte einige in-vivo-Zusammenhänge nicht erklären. 1999 wurde dann das zellbasierte Modell publiziert, mit dem die Abläufe in vivo verstanden werden.
Beide Modelle besitzen gleichzeitig ihre Berechtigung: Im Labor findet das Modell mit extrinsischem und intrinsischem Pathway Anwendung, in vivo gibt es nur einen einzigen Aktivierungsweg.
Der Begriff "plasmatische Gerinnung" beschreibt die Abläufe im Labor. In vivo läuft die Faktoren-Aktivierung zellgebunden ab (nicht im Plasma) und wird sekundäre Hämostase genannt.
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12 Arzneimittel
ASS & Clopidogrel
ASS blockiert die Synthese von TXA2 (Thromboxan A2), ein Thrombozyten-Aktivator.
Clopidogrel und Ticagrelor sind P2Y12-Inhibitoren. Sie besetzen die ADP-Rezeptoren auf den Thrombozyten und verhindern deren Aktivierung durch ADP.
Die Kombination von ASS mit einem P2Y12-Inhibitor wird als duale Plättchenhemmung bezeichnet.
ASS & Clopidogrel
Primäre Hämostase
Adhäsion | Aktivierung | Aggregation
Über den von-Willebrandfaktor adhärieren die Thrombozyten am Subendothel.
Aus ihren Granula setzen Thrombozyten
TXA2 und ADP frei und aktivieren sich gegenseitig.
Anschließend erfolgt die Expression von GPIIb-IIIa-Rezeptoren, an die Fibrinogen bindet und so zur Aggregation führt.
DOAK
Direkte Orale Anti-Koagulanzien
Dabigatran hemmt Thrombin.
Apixaban, Edoxaban und Rivaroxaban hemmen den Faktor Xa.
Direkt bedeutet ohne den Schritt über Antithrombin. Heparin ist ein indirekter Thrombin-Inhibitor.
DOAK
Sekundäre Hämostase
Die Interaktion der Gerinnungsfaktoren startet in vivo mit dem Tissue Factor (TF). TF bindet Faktor VII, der dann Faktor X aktiviert. Hierdurch entsteht eine geringe Menge an Thrombin, die genügt, die Verstärkerschleife über Faktor XI und den Komplex aus Faktor VIII und IX zu aktivieren. Es entsteht eine große Menge an Thrombin, das Thrombozyten aktiviert und die Bildung von Fibrin katalysiert.
Tranexamsäure
Tranexamsäure (TXA) verhindert die Auflösung eines Thrombus, der zur Blutstillung gebildet wurde.
Tranexamsäure blockiert die Bindung von Plasminogen an den Thrombus. Dadurch kann Plasmin seine lysierende Wirkung nicht entfalten.
Fibrinogen-Konzentrat
Fibrinogen hat 2 Aufgaben:
1. Fibrinogen verbindet Thrombozyten und realisiert so die Aggregation.
2. Fibrinogen wird durch das Enzym Thrombin in Fibrin umgewandelt.
PPSB
PPSB-Präparate enthalten vier Faktoren der sekundären Hämostase:
Faktor VII: Initialisierung
Faktor IX: Amplifikation
Faktor X und Prothrombin: Endstrecke
Desmopressin
Desmopressin (Minirin®) setzt aus dem Endothel von-Willebrand-Faktor (vWF) frei.
Das Präparat kann bei einer partiellen Synthesestörung des vWF eingesetzt werden und auch zur Abschwächung der Wirkung von ASS.
open Desmopressin
Novoseven®
Novoseven® (rekombinater Faktor VIIa) initiiert die sekundäre Hämostase so stark, dass zur Bildung von Thrombin keine Verstärkerschleife über die Faktoren XI, VIII und IX notwendig ist.
open Rescue House
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12 Pathologien
Blutung
Ein starker Blutverlust hat Auswirkungen auf die Hämodynamik, die Sauerstoff-versorgung (DO2) und die Hämostase.
Nota bene:
Der Hb-Wert fällt bei einer Blutung zeitverzögert ab und kann initial den Blutverlust unterschätzen.
Fibrinogen-Mangel
Fibrinogen hat 2 Aufgaben:
1. Das Molekül verbindet Thrombozyten und realisiert so die Aggregation.
2. Fibrinogen wird durch das Enzym Thrombin in Fibrin umgewandelt.
Bei einem relevanten Mangel droht eine bedrohliche Blutung. Fibrinogen kann als Blutprodukt appliziert werden.
von-Willebrand-Syndrom
Qualitativer oder quantitativer Defekt des von-Willebrand-Faktors (vWF).
Häufigste angeborene Blutungsneigung (Prävalenz ca. 1:100).
Erworbene Form:
Myeloproliferative Erkrankungen,
Autoimmunerkrankungen, Aortenklappenstenose mit mechanischer Läsion der von-Willebrand-Moleküle.
Hyperfibrinolyse
Eine erhöhte Konzentration von Plasmin im Plasma kann zu einer Blutungsneigung führen, da gebildete Thromben durch Plasmin wieder aufgelöst werden.
Ursachen:
Verbrauchskoagulopathie (DIC), Polytrauma, kardiochirurgische OP, Lebertransplantation, Schock, Prostata-Carcinom, Fibrinolytika.
Hyperfibrinolyse
Peripartale Blutung
Die Hauptursache für eine peripartale Blutung liegt in einer mangelnden Uteruskontraktion (Atonie). Hämostaseologische Blutungsursachen sind Faktorenverbrauch durch Hyperfibrinolyse und DIC.
Als besonderer Risikofaktor für eine peripartale Blutung gilt ein niedriger Fibrinogen-Spiegel (< 200 mg/dl) vor der Entbindung des Kindes.
Hämophilie
Ursache:
Gendefekt auf dem X-Chromosom.
Der Mangel an Faktor VIII (Hämophilie A) oder Faktor IX (Hämophilie B) führt zu einer schwerwiegenden Blutungsneigung, da die Akzeleratorschleife der sekundären Hämostase nicht funktioniert.
Hämophilie
Hemmkörper-Hämophilie
Erworbene Blutungsneigung durch Wirkungsverlust der Faktoren VIII / IX.
Ursache: Bildung von Auto-Antikörpern (Hemmkörper) gegen Faktor VIII oder Faktor IX im Rahmen von Autoimmun-erkrankungen, in der Schwangerschaft, post partum oder bei Anwendung von Clopidogrel.
Hypermenorrhoe
Ursachen: von-Willebrand-Syndrom, Thrombozytopathie, Faktor-XIII-Mangel, verstärkte Plasmin-Wirkung etc.
Die Uterus-Schleimhaut besitzt eine hohe Konzentration an Plasminogen-Aktivator. Durch das entstehende Plasmin resultiert daraus eine lokal begrenzte Fibrinolyse-Aktivität, wodurch das Blut während der Menstruation nicht gerinnt.
Hypermenorrhoe
Peripartale Blutung
Die Hauptursache für eine peripartale Blutung liegt in einer mangelnden Uteruskontraktion (Atonie). Hämostaseologische Blutungsursachen sind Faktorenverbrauch durch Hyperfibrinolyse und DIC.
Als besonderer Risikofaktor für eine peripartale Blutung gilt ein niedriger Fibrinogen-Spiegel (< 200 mg/dl) vor der Entbindung des Kindes.
Storage Pool Disease
Ursache: Mangel an prokoagulatorischen Faktoren, die sich in den Granula (alpha-Granula und/oder dense bodies) auf der Oberfläche von Thrombozyten befinden.
Unterformen:
Gray-Platelet-Syndrom
Alpha-Storage-Pool-Disease
Delta-Storage-Pool-Disease
Hermansky–Pudlak-Syndrom
Storage Pool Disease
Ursache:
Alpha-Storage-Pool-Disease
(Gray-Platelet-Syndrom)
Mangel an Faktoren in den alpha-Granula: Fibrinogen, von Willebrand-Faktor (vW-Faktor), Faktor V, Plättchen-Faktor-4 (PF4) und Thrombospondin sowie Fibronectin.
Delta-Storage-Pool-Disease:
Mangel an Faktoren aus den dense bodies: Thromboxan A2 (TXA2),
Calcium-Ionen (Ca++), ADP und ATP.
APC-Resistenz
Faktor-V-Leiden-Mutation:
Der Faktor Va, der im Rahmen der sekundären Hämostase als Akzelerator fungiert, wird physiologischerweise von aktiviertem Protein C zerstört, um eine Gerinnungsaktivität lokal zu begrenzen.
Bei der APC-Resistenz ist Protein C gegenüber Faktor Va unwirksam. Hieraus resultiert eine unverminderte Faktor-Va-Aktivität ein erhöhtes Thrombose-Risiko.
APC-Resistenz
HIT-2
Immunologisch vermittelte Störung durch die Bildung von Antikörpern gegen Heparin und Plättchenfaktor 4 (PF4). Folge ist eine ausgeprägte Thrombozytopenie.
Auslöser:
Die Bildung der Antikörper wird v.a. durch unfraktioniertes Heparin (UFH) induziert, selten durch niedermolekulare Heparine (NMH) oder Fondaparinux.
HIT-2
Vorgehen bei HIT-2-Verdacht:
Sofortiges Absetzen des auslösenden Agens (Heparin) und Hemmung der überaktivierten Blutgerinnung mit Argatroban oder Danaparoid.
ACS
Das Akute Coronar-Syndrom (ACS) umfasst koronare Ischämien und den Myokardinfarkt mit Untergang (Nekrose) von Herzmuskelgewebe durch einen thrombotischen Verschluss eines Koronargefässes.
Hämostaseologisch gilt es, den Thrombus aufzulösen und eine neue Thrombosierung zu verhindern.
ACS
Duale Plättchemhemmung
Als duale Plättchenhemmung (DPH) bezeichnet man die Kombination von
ASS mit einem P2Y12-Inhibitor
(z.B. Clopidogrel oder Ticagrelor).
Sepsis & DIC
Infektions-bedingtes Krankheitsbild mit generalisierter Entzündung. Initial besteht ein prokoagulatorischer Zustand.
Wenn der Infektionsherd (Focus) nicht eliminiert werden kann, kann sich eine Verbrauchskoagulopathie (DIC) entwickeln.
Sepsis & DIC
Lungenembolie
Die Lungenembolie ist ein Krankheitsbild mit thrombotischem Verschluß der arteriellen Pulmonalstrombahn.
Lungenembolie (LAE) und tiefe Venenthrombose (TVT) gehören zur Entität VTE (Venöse ThromboEmbolie).
Dies ist bedeutsam für die Anwendung der Leitlinien, da hier LAE und TVT unter VTE subsumiert werden.
Lungenembolie
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